Wie sieht die Straße der Zukunft aus? #

Im Rahmen des Projekts durften Schüler*innen bei einem Kunstwettbewerb die Straße der Zukunft entwerfen. Herausgekommen sind inspirierende Kunstwerke und spannende Erkenntnisse.

Wie sieht die Straße der Zukunft aus?

Oft werden Straßen vor allem aus der „Erwachsenensicht“ gedacht und geplant. Allerdings ist es aufgrund der langen Lebenszyklen vieler (Bau-)maßnahmen wichtig, die Bedürfnisse und Wünsche kommender Generationen und zukünftiger NutzerInnen stärker zu berücksichtigen. Doch welche Bedürfnisse und Wünsche hat die heranwachsende Generation junger Menschen an den Straßenraum? Um die Perspektive der StraßennutzerInnen von Morgen zu verstehen und zu erörtern welche Folgen daraus für den Straßenplanungsgsprozess entstehen könnten, hat das Projekt „Straße der Zukunft“ im Jahr 2020 einen Schüler*innenkunstwettbewerb veranstaltet. 57 Kunstwerke von Kindern der Klassenstufen sechs bis acht wurden im Rahmen des Wettbewerbs eingereicht, wofür wir uns noch einmal herzlich bei den Schüler*innen und ihren Lehrkräften bedanken möchten. Eine Auswahl der eingereichten Kunstwerke können Sie in der folgenden Bildergalerie sehen. 

Die Kunstwerke der Schüler*innen wurden im Anschluss hinsichtlich der Flächenverteilung und Gestaltung des öffentlichen Raums untersucht. Hierbei wurden der Straßenraum und die angrenzenden Gebäude/Flächen betrachtet.

Abbildung 1 Anteile der Funktionen am Straßenraum
Abbildung 2 Ökologische Funktionen der Straße
Abbildung 3 Verkehrstechnische Funktionen der Straße

Zum Vorgehen der Datenanalyse und Visualisierung: Die 132 identifizierten Elemente können den oben beschriebenen Funktionskategorien zugeordnet werden und sind prozentual zur Gesamtzahl der auftretenden Elemente dargestellt (Abbildung 1). Ökologisch-codierte Flächen nehmen hierbei mit etwa 23 % aller Nennungen den größten Anteil insgesamt ein. Hierzu zählen vor allem Parks, Straßenbäume, Gründächer und Dachgärten auf angrenzenden Gebäuden, Parks, sowie Wasserspiele und Seen (Abbildung 2). Auch die verkehrstechnische Transitfunktion des Raums wird mit 20 % stark betont, wobei die meisten Bilder Fußgänger abbildeten, gefolgt von Autos, Fahrrädern und dem ÖPNV. Hierbei wurden auch einige Ideen im Bereich von alternativen Antriebstechnologien (z.B. E-, H2-, und Solarautos) und autonomen Fahrens dargestellt, sowie auch die Erschließung von unterirdischem und Luftraum für die Mobilität (Flugtaxis, Personendrohnen, Untergrundpods) (Abbildung 3).

Abbildung 4 Wirtschaftliche Funktionen der Straße
Abbildung 5 Gestalterische und kulturelle Funktionen der Straße
Abbildung 6 Soziale Funktionen der Straße

Bei den wirtschaftlichen Aspekten dominierten Darstellungen von Läden, Restaurants und Cafés, sowie auch Flächen für Werbung und Information im öffentlichen Raum, wie in Abbildung 4 ersichtlich wird. Im Bereich Gestaltung und Kultur dominierten angrenzende bunte Gebäude und besondere Architektur, sowie die Darstellung verschiedener kultureller Einrichtungen (z.B. Kinos und Theater) (Abbildung 5). In der sozialen Domäne der Gestaltung des öffentlichen Raums wurden häufigsten Sitzbänken gezeichnet, gefolgt von Spielplätzen, Sportmöglichkeiten und Badegelegenheiten, siehe Abbildung 6. 

Abbildung 7 Versorgungs- und Entsorgungstechnische Funktionen der Straße
Abbildung 8 Dargestellte Nutzung des Straßenraums
Abbildung 9 Die Straße der Zukunft aus Kindersicht

Des Weiteren waren vereinzelt auch Aspekte wie Obdachlosenschutz, Tierheime oder Skateparks zu finden. Letztlich wurden auch Ver- und entsorgungstechnische Funktionen aufgeführt, vor allem auf die Stromerzeugung und Ladeinfrastruktur (z.B. Solarenergie, Windräder, Stromstraßen). Weitere Aspekte sind in Abbildung 7 dargestellt, wie Mülltrennungssysteme, kostenfreies Internet und öffentliche Toiletten wurden dargestellt. Abbildung 8 zeigt noch einmal auf einen Blick wie die Funktionen und Nutzungen des Straßenraumes (ohne angrenzende Gebäude) verteilt sind.

Neben den oben beschriebenen Elementen sind besonders kreative Ideen der Teilnehmenden in Abbildung 9 zusammengefasst. Sie beziehen sich zum Großteil auf alternative Verkehrs- und Fortbewegungsmittel, wie beispielsweise fliegende (H2-)Autos, Achterbahnen als Fortbewegungsmittel oder futuristische Portale, um auf andere Straßen oder gar Planeten zu gelangen. Windräder auf Dächern und Ampeln, gläserne Wasserleitungen welche als Straßenfläche dienen, oder Server die über Wasserbehältern auf Dachflächen gekühlt werden zeigen futuristische Versorgungsstrukturen auf.

Um mehr Natur in den Straßenraum zu integrieren, sind unter anderem begrünte Brückenunterseiten, Straßenbeläge aus Rollrasen, Blühstreifen oder begrünte Verkehrsmittel gezeichnet worden.

Vergleicht man die Darstellungen der Schülerinnen und Schülern mit realen Straßenräumen und ihrer räumlichen Aufteilung, fällt auf, dass die realexistierende Straße im Vergleich zu den Kunstwerken, Straßenraum und öffentlichen Raum nahezu ausschließlich als Verkehrs- und Transitraum einordnen. Das liegt daran, dass ökologische, aber auch kulturelle und soziale Aspekte in der autogerechten Stadtplanung der Vergangenheit eine geringere Priorisierung zuteilwurde, als der verkehrlichen Abwicklung des Autoverkehrs. Bei den Kunstwerken hingegen, nehmen sowohl ökologisch-codierte Flächen und innovative Verkehrskonzepte einen größeren Stellenwert ein als der motorisierte Individualverkehr. Die Kunstwerke verdeutlichen auf eindrucksvolle Art und Weise, dass die jüngeren Teile unserer Bevölkerung sehr wohl ein gutes Gespür für eine nachhaltige und lebenswerte Gestaltung und der damit zusammenhängenden Transformation unserer Städte besitzen.

Kunstwettbewerbe, Kinderkonferenzen oder ähnliche Formate mit Kindern und Jugendlichen können Wege sein, um die Prioritäten und Wünsche zukünftiger Nutzerinnen und Nutzer besser zu verstehen, aufzunehmen, ein frühes Interesse an einer nachhaltigen Gestaltung des öffentlichen Raumes zu fördern und den Planungsprozess mit innovativen und kreativen Ideen und Impulsen zu bereichern. Es sei angemerkt, dass am Ende des Tages, es die Planerinnen und Planer von Heute sind, die es der Generation von Morgen schulden, eine umweltgerechte, soziale und qualitätsvolle Gestaltung öffentlicher Räume als Erbe zu hinterlassen.

 

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